Der Johannisthaler


Auf dieser Seite soll das Herzstück vieler DDR-Diesellokomotiven genauer vorgestellt werden - der Motor. Auf die Idee, mich damit zu beschäftigen, kam ich im Verkehrsmuseum Dresden. Ich las zu meinem nicht geringen Erstaunen an dem dort ausgestellten Exemplar die Worte "Hersteller: VEB Kühlautomat Berlin". Ein Lokomotiv-Dieselmotor aus einer Kühlschrankfabrik??? Dieser Widerspruch reizte mich....

In der Tat ist es so, daß ein Betrieb für Kältetechnik auch Lokomotivdiesel herstellte; ein prägnantes Beispiel für die nicht immer sinnvolle organisatorischen Zusammenlegung von Betrieben (Bildung von sogenannten "Kombinaten") in der DDR-Volkswirtschaft.
Der Betrieb VEB Kühlautomat wurde am 5. April 1950 auf einem Brachgelände in Berlin-Johannisthal gegründet und produzierte zunächst Gewerbekühlschränke, Kühlkammern und kältetechnische Anlagen, bevor 1957 auch "Kleinkühlgeräte" für den Einzelhandel und für Privathaushalte dazu kamen. Im Folgejahr wurde der VEB Kälte Berlin, ehemals J. A. Richter Kältemaschinenbau GmbH, in den VEB Kühlautomat integriert, dieser konzentrierte sich ab jetzt auf Entwicklung, Produktion und Einbau von Schiffskälteanlagen - sowohl für Transportgüter (Fisch, Obst etc.) als auch für Proviant. Daher ist die organisatorische Unterstellung des Werkes in die "VVB Schiffbau" zum 1. Januar 1967 durchaus logisch - der Produktionsbetrieb blieb eigenständig; Planung, Einkauf und Personalpolitik wurden zentralisiert. So weit, so verständlich.
Zum 1. Juli 1968 wurde der VEB Kühlautomat Berlin jedoch mit dem VEB Motorenwerk Johannisthal zusammengelegt (was sicher eher geografische als organisatorische Gründe hatte), wobei die Namensführung bei "VEB Kühlautomat" blieb. Seit diesem Zeitpunkt kamen die Schiffs- und Lokomotivdiesel in der DDR aus einem Betrieb für Kältetechnik....

Kurze Erklärung für Nichtossis und Spätergeborene: VEB = Volkseigener Betrieb, VVB = Vereinigung Volkseigener Betriebe


Das im VMD ausgestellte Exemplar (Bj. 1970, FNr. 7000-76010) trägt die Bezeichnung "12 KVD 18/21 AL-4".
Diese Zeichenfolge steht für:
12 (Zylinder)
 K (Kurzhub)
 V (Viertakt)
 D (Diesel)
18 (180 mm Bohrung)
21 (210 mm Hub)
 AL Abgas-Turbolader, Ladeluft-Kühlung
-4 Ausbaustufe 4
Da trotz verschiedener Ausbaustufen Bohrung und Hub immer gleich blieben, betrug der Hubraum durchweg 64,12 Liter*. Erhöhte Leistungen wurden durch Turbolader, Ladeluftkühlung und allgemeine Optimierung des Motors erzeugt.


Bauart Stundenleistung verbaut in... Loks
12 KVD 18/21 478 kW (650 PS) V 60 (BR 106, BR 105); DR und Werkloks 2.256
12 KVD 18/21 A-2 660 kW (900 PS) V 180.0 (BR 118.0); DR 87
12 KVD 18/21 A-3 736 kW (1.000 PS) V 180.1-5 (BR 118.1-5); DR
V 100.1 (BR 110.1-8); DR
V 100.2-3 (Export nach China)
V 100.4 (BR 111); DR und Industrie
V 100.5 (BR 110.9 mit Nebenantrieb); DR
> 288
869
190
68
18
12 KVD 18/21 AL-4 883 kW (1.200 PS) V 240 001 (Prototyp); DR
BR 112 (Umbau aus BR 110.1-8); DR
BR 118.6-8 (Umbau aus BR 118.2-4); DR
1
?
?
12 KVD 18/21 A-5 750 kW (1.020 PS) für Reko BR 110.1-8 und BR 111; DR ?
12 KVD 18/21 AL-5 1.100 kW (1.496 PS) 118 124; DR
BR 114 (Umbau aus BR 110.1-8); DR
1
?
202 390-1 im April 1994 in Königshain-Hochstein
202 390-1 im April 1994 in Königshain-Hochstein

einmotorige Diesellok für den schweren Rangier- und leichten Reisezugdienst auf Nebenstrecken
 
* 05.08.1971 als 110 390-2 (Motorvariante A-3)
Umbau 1982 zur 112 390-1 (Motorvariante AL-4)
Umzeichnung 1992 zu 202 390-1

118 552-9 am 13.04.2014 in Dresden Hbf
118 552-9 am 13.04.2014 in Dresden Hbf

zweimotorige Diesellok der DR für den mittelschweren und schweren Reisezugdienst
 
* 12.01.1965 als V 180 052 (Motorvariante A-2)
Umzeichnung 1970 zur 118 052-0
Umbau 1983 zur 118 552-9 (Motorvariante AL-4)
heutiger Eigentümer: ITL, Pirna/Sa.