Eine Straßenbahn im Nationalpark

Die Kirnitzschtalbahn: Bad Schandau - Lichtenhainer Wasserfall


Unweit von Dresden, mitten im Elbsandsteingebirge, liegt an der Mündung des Flüsschens Kirnitzsch in die Elbe die Stadt Bad Schandau. In dem romantischen Kneippkur- und Erholungsort befindet sich auch das Zentrum des National-parks Sächsische Schweiz. Neben eindrucksvollen Felsformationen und einer artenreichen Flora und Fauna bietet das touristisch beliebte Gebiet eine einmalige Besonderheit: eine meterspurige, elektrisch betriebene Straßenbahn.

Erste Planungen zum Bau einer Pferdebahn datieren aus dem Jahr 1870. Erst 27 Jahre später begannen die ersten Arbeiten am Gleiskörper, inzwischen war klar, daß es sich um eine "Straßenbahn mit Motorantrieb" handeln sollte. Die hochfliegenden Pläne sahen einen Streckenverlauf von Schandau zunächst durch das Kirnitzschtal bis zur Kirnitzsch-Schänke in Hinterdittersbach an der Grenze zu Böhmen vor, daran anschließend eine Weiterführung über Rainwiese (Mezní Louka) und Herrnskretschen (Hřensko) zurück nach Schandau. Ausgeführt wurde letztlich, neben dem Bau des bahneigenen Kraftwerkes, nur die 8,3 km lange Strecke von Schandau bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Die feierliche Eröffnung fand am Pfingstsonntag 1898 statt.

Die Bahn erwies sich in ihrer Geschichte als wahres "Stehaufmännchen", trotz mehrerer Einstellungen ging sie immer wieder in Betrieb. So kam es am 27. Juli 1927 zu einer Brandkatastrophe im Depot, bei der sämtliche Fahrzeuge vernichtet wurden. Mit Leihfahrzeugen von der Lößnitzbahn (Mickten - Kötzschenbroda) wurde am 12. August 1927 der Fahrbetrieb wieder aufgenommen. Am 6. Mai 1945 mußte der Verkehr kriegsbedingt eingestellt werden, doch schon am 7. Juni desselben Jahres fuhren wieder Straßenbahnen durch das Kirnitzschtal. Massive Verschleißerscheinungen an Gleisen und Fahrleitungsmasten führten 1969 für drei Jahre zur Betriebseinstellung. Dieselben Gründe ließen auch 1985 einen Weiterbetrieb nicht mehr zu, auch diesmal wurde jedoch der Verkehr (abschnittsweise zwischen 1986 und 1990) wieder aufgenommen. Zuletzt zerstörte ein heftiges Hochwasser am 7. August 2010 große Teile der Gleisanlagen und der Stromversorgung. Bereits 21 Tage später war ein Teilabschnitt wieder befahrbar, am 14. Dezember 2012 konnte dann die Gesamtstrecke wieder für den Verkehr freigegeben werden.

19.08.2012
Bad Schandau Kurpark

Während die Triebwagen für den Zwei-richtungsbetrieb ausgerüstet sind, handelt es sich bei den Beiwagen um Einrichtungs-fahrzeuge. Dieser scheinbare Widerspruch läßt sich damit erklären, daß sich die Trasse durchgängig in Straßenrandlage befindet und alle Haltestellen auf derselben Seite der Strecke eingerichtet wurden.


08.06.2014
Haltestelle Botanischer Garten

Die 1928 nach dem Depotbrand neu beschafften Fahrzeuge wurden von MAN hergestellt, die elektrische Ausstattung der Triebwagen erfolgte durch Siemens. Ein Zug hat bis heute überlebt. Der Triebwagen Nr. 5 und der Beiwagen Nr. 12 fahren seit jenem Jahr ununterbrochen im Kirnitzschtal.


19.08.2012
Haltestelle Forsthaus

Britische Verhältnisse:  Der nach Bad Schandau fahrende Zug kommt dem gemeinen Kraftfahrer auf der falschen Straßenseite entgegen. So mancher Lenker einer Kraftdroschke war mit diese Situation bereits überfordert...


19.08.2012
Die Kroatenschlucht zwischen den Haltestellen Nasser Grund und Beuthenfall