Die Zerstörung der Stadt am 13./14. Februar 1945


Die Ereignisse

Bis in den Herbst 1944 spielte Dresden in den strategischen Überlegungen der Russen, Briten und Amerikaner nur eine untergeordnete Rolle. Zu jener Zeit jedoch war die Stadt nicht nur eine Perle der deutschen Architektur und Kunst - nicht umsonst trug sie (und trägt bis heute) stolz den Beinamen "Elbflorenz". Dresden war auch einer der letzten unzerstörten Industriestandorte sowie der drittgrößte Bahnknoten des Deutschen Reiches. Im Stadtgebiet befanden sich - nach späteren Angaben der US Air Force - etwa 110 Betriebe, die als "legitimes militärisches Ziel" angesprochen werden durften.

Im Winter 1944/45 war Dresden die siebtgrößte Stadt im Deutschen Reich. Doch schon hier widersprechen sich verschiedene Quellen erheblich. Als relativ übereinstimmend wird die Einwohnerzahl der Stadt mit 630.000 bis 670.000 angegeben (die Volkszählung 1939 ermittelte exakt 629.713 Einwohner). Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß sich darüber hinaus eine große Anzahl Flüchtlinge in der Stadt aufhielten, welche vor der heranrückenden Ostfront aus Schlesien und Böhmen, aber auch aus Pommern und Ostpreußen hierher gekommen waren. Für Dresden galt zwar seit Ende 1944 ein Zuzug-Verbot, so daß die Stadt für die Flüchtlinge nur eine Durchgangsstation war. Aber genau deswegen wurden jene auch nicht als Einwohner registriert, da sie innerhalb von 24 Stunden weiterzuziehen hatten. Es gibt durchaus begründete Mutmaßungen, daß sich in jener Nacht bis zu 1,4 Millionen Menschen in Dresden aufgehalten haben könnten.

Februar 1945. Dresden war die letzte intakte Garnisonsstadt vor der heranrückenden Ostfront und wurde zur Versorgungs- und Lazarettstadt ausgebaut. Jetzt wurde Dresden neben Berlin, Leipzig und Chemnitz zum vorrangigen militärischen Zielgebiet. Dies zog erste Luftangriffe nach sich, so am 7. Oktober 1944 mit 29 Bombern der US-Air Force (435 Tote) oder am 16. Januar 1945 mit 127 Bombern wiederum der US-Air Force (376 Tote).

Federführend verantwortlich für die britischen Angriffe in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 war Air Chief Marshall Arthur T. Harris, mit Sicherheit trägt jedoch auch Harris' direkter militärischer Vorgesetzter, Sir Winston Churchill, ein gehöriges Maß Verantwortung. Die Aktion sollte sich im geschichtlichen Rückblick als der massiveste Luftangriff der Alliierten auf eine deutsche Stadt während des Zweiten Weltkrieges herausstellen.

Am Faschingsdienstag, den 13.02.1945, abends halb zehn begannen die Sirenen der Stadt zu heulen. Die Fünfte Bomber-Flotte der RAF (die "Wilddiebe aus Lincolnshire") mit 245 Maschinen des Typs "Lancaster" und neun "Mosquito"- Jagdbombern, steuerte die Stadt an. Um 22.05 Uhr warfen zunächst die Mosquitos Bündel von Leucht- und Markierungs-bomben in der Gegend des heutigen Sportparks im Ostragehege ab. Wenige Minuten später brach das Inferno los. Zwischen 22.13 Uhr und 22.37 Uhr fielen 650.000 Stabbrandbomben wahllos über Dresdens historischem Stadtzentrum nieder. Eine gezielte Zerstörung einzelner Objekte war weder möglich noch gewollt, vielmehr sollte auf kleiner Fläche maximale Zerstörung erreicht werden. Und dieses Ziel wurde erreicht, die Innenstadt stand komplett in Flammen.

Während noch die Dresdner Zivilbevölkerung gegen das Inferno um ihr Leben und ihr Hab und Gut kämpften, erreichte eine zweite Angriffswelle die brennende Stadt. Die 529 "Lancaster"-Piloten der Ersten, Dritten, Sechsten und Achten RAF-Bomberflotten konnten Dresden bereits auf einhundert Kilometer Entfernung aus der Luft erkennen. Von 1.23 Uhr bis 1.54 Uhr gingen weitere 1.500 Tonnen Sprengstoff über der Innenstadt nieder. Das Resultat: die Stadt wurde auf fünfzehn Quadratkilometern vollständig vernichtet.

"Das heraufdämmernde Licht des 14. Februar 1945 erhellte nur noch eine glühende, qualmende Brandstätte an der Elbe, da, wo am Vortage Dresden gewesen war. Langgezogene Flammenhälse leckten, an den Trümmerfassaden hintastend, den letzten Sauerstoff aus Löchern und Abgründen. Der in der Flammenglut flüssig gewordene Asphalt hielt die Schuhe der vor dem Tode Geflüchteten unbarmherzig fest. Noch nach Monaten fand ich immer wieder Frauen- und Kinderschuhe (...)"
(Zitat aus: Wilhelm Rudolph: "Das zerstörte Dresden.")

Am Mittag des 14. Februar erreichte die dritte Angriffswelle die brennende Stadt. Diesmal waren es Amerikaner. Die Besatzungen sahen die Rauchsäule einen Kilometer hoch in den Himmel stehen. Trotzdem warfen 316 "Fliegende Festungen" (Boeing B-17) ziellos Spreng- und Stabbrandbomben ab und versetzten der Stadt endgültig den Todesstoß. Trotzdem flogen am Folgetag nochmals die Amerikaner mit 210 Maschinen eine vierte Angriffswelle.


"Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens" schrieb der Dichter Gerhard Hauptmann nach der Bombardierung. Als am 15. Februar 1945 morgens die ausgeglühte Frauenkirche unter der Last ihrer Kuppel in sich zusammenfiel, war die Moral der Dresdner endgültig gebrochen.

Auseinandersetzung mit dem Erbe - eine persönliche Meinung

Die Zerstörung der Stadt Dresden gehört zu den widerlichsten Taten im Zweiten Weltkrieg. Zu allem Überfluß wird dieses traurige Ereignis seither von allen politischen Kräften zu Propagandazwecken mißbraucht. Dabei dreht sich die Diskussion vor allem um die Opferzahl. Diese wird, je nach Interessenlage, möglichst hoch oder möglichst gering gehalten. In Kreisen der Angreifer wurde nach Kriegsende zunächst von 60.000 Opfern gesprochen; der britische Geschichtsklitterer und Holocoust-Leugner David Irving schreibt 1963 in seinem Buch "Der Untergang Dresdens" neben weiterem Unsinn von 202.040 bereits aufgefundenen und bis zu 250.000 erwarteten Toten. Das diesen Zahlen zugrunde liegende "Dokument" wurde jedoch schon 1955 von Max Seydewitz (1892-1987; 1947 bis 1952 sächsischer Ministerpräsident, 1955 bis 1968 Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden) als Fälschung entlarvt. Die Krone der Übertreibung erreichte 1951 der ehemalige Dresdner Einwohner und BRD-Bürger Axel Rodenberger, welcher in seinem Buch "Der Tod von Dresden" gar 400.000 Angriffsopfer bewiesen haben will. Wozu dieses "Wettrennen" dienen sollte, bleibt mir schleierhaft; ich vermute entweder eine Verherrlichung der anglo-amerikanischen Militärmacht oder eine beabsichtigte Herunterspielung der etwa 150.000 Toten der Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.
In der heutigen Zeit dagegen wird die Opferzahl bewußt nach unten korrigiert. Eine durch den damaligen Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Rosberg (FDP) einberufene Historikerkommission kam in sechs Jahren akribischer Arbeit (von 2004 bis zum 17. März 2010) zum Ergebnis, daß es sich um höchstens 25.000 Umgekommene handeln kann, unter ihnen "ein nicht genau zu ermittelnder Teil, der auf dem Weg nach Westen bis Dresden gelangt war." Der Zweck dieser streng wissenschaftlich kleingerechneten Zahl liegt auf der Hand: die Angreifer von damals sind heute unsere dicksten Freunde und Verbündete, und mit denen muß man liebevoll umgehen.
Ich persönlich halte die in der Nachkriegszeit vielfach (u. a. durch Walter Weidauer) angegebene Zahl von 35.000 Toten für wahrscheinlich. Die genaue Anzahl wird sich wohl nie ermitteln lassen, abgesehen davon ist jeder Kriegstote ein Toter zuviel.

Auch die Diskussion um die Kausalitäten wird erbittert geführt. Die aktuellen Medien schreiben in ihren jährlich wiederkehrenden Pamphleten anlässlich des Gedenktages der Zerstörung von "alliierten Bombenangriffen". Ich bin nun alles andere als ein Kommunist, aber an der Tatsache, daß nicht ein Sowjetsoldat an den Zerstörungen beteiligt war, läßt sich nun mal nicht rütteln. Ich bezeichne die Zerstörung Dresdens nach wie vor als anglo-amerikanische Terrorangriffe auf die zivile Bevölkerung. Sie waren militärisch zwecklos und trugen keinesfalls zur Beschleunigung des Zusammenbruchs des Dritten Reiches bei. Darüber hinaus geht aus der weiter oben gezeigten Karte eindeutig hervor, daß die militärisch relevanten Ziele, wie der Rangierbahnhof und das Shell-Tanklager in Friedrichstadt oder die Industrieanlagen in Seidnitz, Dobritz und Niedersedlitz, nicht nur gezielt nicht angeflogen wurden, sondern sogar, von wenigen Zufallstreffern abgesehen, unzerstört geblieben sind. Die Angriffe konzentrierten sich vorsätzlich auf das kulturhistorisch wertvolle Stadtzentrum und die dichtbesiedelten Wohngebiete in der Südvorstadt, in der Johannstadt und in Striesen. Auf Kunst und Kultur. Auf Zivilisten. Fakt. Punkt.

Es gibt tatsächlich Menschen, die der Meinung sind, daß "die Dresdner" bzw. "die Deutschen" selbst an der Katastrophe schuld sind, da es sich bei den Angriffen lediglich um eine "gerechte Vergeltung" gehandelt habe. Tote gegen Tote aufzurechnen geht jedoch gar nicht. "Es gibt keine Mathematik der Schuld" sagt der Schauspieler Wolfgang Stumph im Film "Eine Liebe in Königsberg". Der Film hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber das Zitat paßt trotzdem.

Desweiteren halten sich hartnäckig Berichte über Angriffe mit Bordwaffen (Maschinengewehren) auf flüchtende Zivilisten. Diese werden durch in der Gegenwart politisch relevante Persönlichkeiten vehement bestritten. Die letzten noch lebenden Augenzeugen werden lauthals als "Menschen mit verblassender oder verfälschter Erinnerung" oder kurz als "Lügner" bezeichnet. Folgende Fakten sprechen jedoch für ein durchaus ungetrübtes Erinnerungsvermögen der Senioren: (1) Von der zehn Mann starken Besatzung einer Boeing B-17 "Flying Fortress" waren allein vier Mann MG-Schützen. (2) Es war durchaus üblich (auf Seiten aller Kriegsparteien), in einem Angriffsbefehl den Bordschützen die Möglichkeit zum Beschuss von "Gelegenheitszielen" einzuräumen. (3) In der Schlußmeldung der Stadt Dresden zu den Auswirkungen der Bombardierungen vom 15. März 1945 hieß es: "Bei allen Angriffen war Bordwaffenbeschuss festzustellen". (4) Nicht nur über Bordwaffenangriffe der Amerikaner gibt es Augenzeugenberichte, auch darüber, daß im Großen Garten noch Ende 1945 unzählige Einschlaglöcher von Geschossen in Baumstämmen nachgewiesen werden konnten, deren Einschusskanäle von schräg oben abwärts führten. Splittereinschläge hinterlassen andere Spuren...
Nach meiner Überzeugung fand tatsächlich der Beschuss von Zivilisten mit Bordwaffen statt, sicher vor allem durch die die Tagesangriffe fliegenden Amerikaner. Aus politischer Notwendigkeit wird dies jedoch heutzutage verschwiegen oder gar geleugnet.

Abseits dieser Streitpunkte stehen für mich drei Verhaltensregeln fest: zum Ersten ein stilles Gedenken an die ungezählten Opfer (denn solche waren die ums Leben gekommenen Zivilisten, auch wenn linke Kräfte dies gern leugnen und von einem "Opfermythos" schwabulieren). Zum Zweiten eine strikte Verurteilung des Geschehenen. Auch wenn Briten und Amis heute per Staatsdoktrin unsere dicksten Freunde sind. Und zum Dritten - und das ist für mich das Wichtigste: alles zu tun, was mir als kleines Licht möglich ist, damit so etwas nie wieder geschieht. Durch wen auch immer...

Quellen:

{1} Eintrag auf de.wikipedia.org zu den Luftangriffen auf Dresden
{2} Abschluss-Bericht der städtischen Historikerkommission auf www.dresden.de (pdf-Datei)
{3} Zum Gedenken an die Todesnacht in Dresden - Das Adelinde-Gespräch, Homepage von H. Beißwenger
{4} "Destruktion" - Pamphlet von Hans-Jürgen Westphal, 19. März 2015