Stadtführung mit Straßenbahn


Der historische Triebwagen 734 (Hersteller: MAN, Baujahr 1913) mit passendem Beiwagen befährt am 13.04.2014 die Marienbrücke in Richtung Bahnhof Dresden-Neustadt. Im Hintergrund steht die frühere Zigarettenfabrik  "Yenidze" des Unternehmers Hugo Zietz.  Dieser ließ das Gebäude in den Jahren 1908/09 im Stile einer orientalischen Moschee erbauen. Architekt war der Dresdner Martin Hammitzsch, welcher 1936 in zweiter Ehe Angela Raubal ehelichte und so zum Schwager Adolf Hitlers wurde. Den Namen erhielt die Fabrik nach dem Tabak-Anbaugebiet Giannitsa im heutigen Griechenland, welches zur damaligen Zeit jedoch noch zum Osmanischen Reich gehörte und daher den türkischen Namen der Region trägt.  Zietz verkaufte die Fabrik schon 1924 an den Reemtsma-Konzern, welcher die Tabakwaren-Produktion noch bis 1953 aufrecht erhielt. Heute haben in dem 1996 sanierten Gebäude etwa 30 Unternehmen ihren Bürostandort, von besonderer Bedeutung ist jedoch das in der großen Kuppel befindliche Restaurant.

Ebenfalls der Tw 734 befährt hier am 12.04.2015 die Brückenrampe der Augustusbrücke in Richtung Neustädter Markt. Den Hintergrund bilden hier die katholische Hofkirche (rechts) sowie das Georgentor des Residenzschlosses (links). Die Hofkirche wurde in den Jahren 1739 bis 1755 durch den italienischen Baumeister Gaetano Chiaveri erbaut, Auftraggeber war der sächsische Kurfürst Friedrich August II., der Sohn August des Starken. Der barocke Sakralbau, einer der größten in Sachsen, wurde während der anglo-amerikanischen Terrorangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945 beschädigt, durfte jedoch (im Gegensatz zur Sophienkirche) wieder aufgebaut werden. 1965 war der Wiederaufbau abgeschlossen, bereits im Jahr vorher wurde die Kirche zur Konkathedrale erhoben. Seit der Verlegung des Bistums Dresden-Meißen von Bautzen in die heutige Landeshauptstadt im Jahre 1980 fungiert die Hofkirche als Bischofssitz und wird daher auch als Kathedrale bezeichnet.

Das Georgentor ist heute Bestandteil des Residenzschlosses und wurde 1530 bis 1535 als erstes Bauwerk im Stile der Renaissance in Dresden aus einem Stadttor umgebaut und in den Schloßbau intergriert.  Auftrag- und Namensgeber war der sächsische Herzog Georg der Bärtige. Seine heutige Gestalt erhielt der Bau  nach mehreren Wiederaufbauten (u.a. 1701 nach Schloßbrand) und Umgestaltungen (u.a. Aufstockung 1833, Schloßumbau 1901) Mitte der 1960er Jahre. Nach den Zerstörungen im Februar 1945 wurde die Fassade des Georgenbaus im 1899-1901 errichteten Stil der Neorenaissance  wieder aufgebaut, im Inneren jedoch baulich verändert.

Tw 734 zum Dritten - am 13.04.2014 befährt der historische Zug die Ostra-Allee in Richtung "Yenidze" und passiert dabei den Dresdner Zwinger. Der Name dieses markanten Bauwerkes stammt aus dem Mittelalter und bezeichnete einen Festungsteil zwischen innerer und äußerer Stadtmauer.  Jedoch war dem Dresdner Zwinger schon zu Baubeginn 1709 eine solche Funktion nicht mehr zugedacht, statt dessen wurde der Gebäudekomplex als Orangerie und Festgelände erbaut. Auf der hier abgebildeten Seite des Zwingers sticht das Kronentor als markantester Gebäudeteil hervor. Dieser Portal-Pavillion teilt die Langgalerie entlang des Festungsgraben. Auf der Spitze des Pavillions, oberhalb der Kuppel, tragen vier Adler eine Krone. Der häufigen Annahme, daß es sich um sächsische Insignien handelt, muß widersprochen werden, vielmehr handelt es sich um  eine Nachbildung der  polnischen Königskrone. Grund ist die Tatsache, daß Friedrich August I. "der Starke" nicht nur sächsischer Kurfürst, sondern 1694-1704 und 1709-1733 zugleich polnischer König war.

Auf der Carolabrücke, vom Albertplatz kommend, befindet sich am 12.04.2015 ein Zug aus drei rekonstruierten Tatra-Wagen, voran fährt Tw 224 261. Bei dem Gebäude rechts im Hintergrund handelt es sich um die heutige Staatskanzlei. Ursprünglich wurde das Gebäude zwischen 1900 und 1904 für mehrere sächsische Ministerien (Inneres, Justiz sowie Kultus und öffentlicher Unterricht) errichtet. Nach der teilweisen Zerstörung 1945 und dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren war hier der Sitz des "Rates des Bezirkes Dresden". Mit der politischen Neuordnung 1990 wurde das markante Bauwerk Sitz der Staatskanzlei. Während einer Sanierung zwischen 1990 und 1994 wurde auch die Friedenstaube auf dem Dach durch eine dem Original nachempfundene Krone ausgetauscht.

Tw 224 261 befährt mit zwei weiteren "Artgenossen" am 03.06.2011 die Friedrichstraße in Richtung Stadtzentrum. Die Linie 20 verkehrt nur während besonderer Veranstaltungen im Messe-Gelände. Im Hintergrund befindet sich die Hafenmühle, welche häufig auch als "Bienert-Mühle" bezeichnet wird. Der Name ist jedoch etwas irritierend, denn die eigentliche "Bienert-Mühle" befand sich in Dresden-Plauen. Diese bis dato kurfürstliche Hofmühle pachtete 1852 Gottlieb Traugott Bienert, zwanzig Jahre später kaufte er den bereits florierende Betrieb dem Kurfürsten gänzlich ab. Bienert's Söhne Theodor und Erwin erweiterten das väterliche Unternehmen und ließen in den Jahren 1912 bis 1914 das Gebäude der Hafenmühle errichten. Der Baustil weist unübersehbar Ähnlichkeiten mit dem Dresdner Schauspielhaus auf, waren doch die Archtitekten bei beiden Bauten dieselben (William Lossow und Max Kühne, sie projektierten übrigens auch den Leipziger Hauptbahnhof). Das 63 Meter hohe Gebäude war zu seiner Entstehungszeit die modernste Mühle Deutschlands. Noch heute wird in dem sanierten und modernisierten Industriedenkmal feinstes Mehl produziert.